Wiedereröffnung Enzviadukt

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Zum Ende des Zweiten Weltkrieges sprengten deutsche Truppen am 8. April 1945 das Enzviadukt. Es klaffte dort eine Lücke von 75 Metern. Da die Bahnlinie wichtig für die amerikanische Versorgung war, überbrückten amerikanische Pioniere die Sprenglücke mit einer Konstruktion, bei der drei Stahlgerüstpfeiler die zerstörten Steinpfeiler ersetzten. So konnte wahrscheinlich ab dem 16. Juni, das Viadukt langsam befahren werden und die wichtige Eisenbahnlinie war wenigstens wieder eingeschränkt nutzbar.

Die Fundamente waren jedoch stärker beschädigt als gedacht. Daher musste schon am 9. Juli der Fahrbetrieb abermals eingestellt werden. Zur Entlastung der Gewölbe wurden über die ganze Länge des Viadukts Breitflanschträger (umgangssprachlich: Doppel-T-Träger) eingebaut und das gelockerte Mauerwerk durch Stahlanker abgesichert. Am 30. Juli konnte dann der Betrieb wiederaufgenommen werden. Doch auch diese Lösung war nicht ausreichend. Daher wurde parallel zum zerstörten Viadukt eine eingleisige Behelfsbrücke gebaut und im November 1946 fertiggestellt.

Die amerikanische Militärregierung konnte zum Wiederaufbau des alten zweigleisigen Viadukts überzeugt werden. Die noch vorhandenen Teile wurden instandgesetzt. Die zerstörten Pfeiler wurden durch neue, jetzt in Beton ausgeführte und farblich angeglichene Bauteile ersetzt.

Nach über zweijähriger Bauzeit wurde vor 75 Jahren am 26. August 1949 mit einem Festakt unter dem Viadukt die Fertigstellung gefeiert. Der damalige Direktor der Reichsbahn, Dr. Busch, hielt die Hauptrede. Grußworte gab es von den Mitgliedern einer hochrangigen Delegation aus Stuttgart mit dem Militärgouverneur General Groß, Verkehrsminister Steinmeyer und verschiedenen anderen hochrangigen Vertretern, darunter dem Landtagspräsidenten Wilhelm Keil. Die Pfeiler der Notbrücke blieben stehen und erinnern heute noch an den Wiederaufbau der Brücke.

1 Amerikanische Soldaten vor dem zerstörten Viadukt mit der Überbrückung der Sprenglücke, 1945/46

2 Viadukt und Behelfsbrücke nebeneinander, 13.2.1949

3+4 Wiedereröffnungsfeier, Reichsbahndirektor Busch durchschneidet das Band (Fotos: Ernst Richter/ Stadtarchiv)