Diese Straßenszene in der Bietigheimer Hauptstraße wurde um 1910 festgehalten. Der sogenannte „Neue Bau“ (Hauptstraße 36-44) wurde nach einem Großbrand 1831, bei dem zahlreiche Häuser abbrannten, errichtet. Während in den oberen Stockwerken gewohnt wurde, waren im Erdgeschoss verschiedene Geschäfte und Handwerksbetriebe untergebracht. Links steht Glasermeister Friedrich Dautel senior mit seiner Familie vor seinem Hauseingang. Im Schaufenster links vom Eingang sind Bilderrahmen und Spiegel zum Verkauf ausgestellt. Rechts steht Flaschnermeister Gottlieb Gäbele, vermutlich mit einem Lehrling. Seine Werkstatt befand sich im Untergeschoss, darüber seine Wohnung und sein Laden. Im Schaufenster erkennt man Gas-Zimmerlampen. Die Flaschnerwerkstatt übernahm später der Flaschner Kinzinger.
Der Eingang rechts führte zur Wohnung und Schneiderwerkstatt von Schneidermeister Koch im 2. Stock. Ganz rechts schloss sich die Flaschnerei von Karl Ziegler an. Den Abschluss des „Neuen Baus“ auf der rechten Seite bildete Eisenwaren Irion (auf dem Foto nicht zu sehen). Am oberen Ende gegen den heutigen Markplatz war schon damals der „Falken“. Dort, wo einst fleißige Handwerker ihre Werkstätten und Läden hatten, befindet sich heute die Kreissparkasse.

