An der Ecke Ziegelstraße/Löchgauer Straße war seit dem Mittelalter die städtische Ziegelhütte. Löchgauer Str.1 war das Wohnhaus des Zieglers. Das heutige Haus wurde 1770 gebaut. Daneben, in der Löchgauer Str.3, waren die Werkstattgebäude. Seit 1679 war die Ziegelhütte im Besitz der Zieglerfamilie Keller. 1897 starb der letzte Ziegler Johannes Keller.
Im selben Jahr, 1897, kam der Bäcker Gottlob Reiner aus Mundelsheim nach Bietigheim. Er kaufte das Haus Löchgauer Str. 1 und eröffnete dort eine Bäckerei und das „Gasthaus zur Linde“. Bis 1971 wurde die „Linde“ von der Familie Reiner geführt, nach Gottlob Reiner durch seinen Sohn Gottlob Erwin Reiner und von 1971-1977 durch die Enkel Manfred und Helmut Reiner. Beide waren in den 60/70er Jahren bekannte Fußballer, die ihre Fußballaufbahn bei der „Germania“ in Bietigheim begonnen hatten. Manfred Reiner (2023 verstorben) spielte beim KSC, VfB und bei den Stuttgarter Kickers, Helmut Reiner bei 1860 München. In den 70er Jahren war die „Linde“, damals unter dem Namen „Gaststätte Reiner“, ein bekannter und beliebter Treffpunkt der Jugendlichen in der Stadt. 1988 wurde das Haus grundlegend saniert. Seitdem sind Wohnungen, Büros und eine Arztpraxis im Haus untergebracht.
1 Die „Linde“ 1909, gemalt vom Maler C. Limberger, links die Wirtschaft, rechts das Schaufenster der Bäckerei, mit weißer Schürze steht Gottlob Reiner vor dem Haus.
2 Die „Linde“ fotografiert vom Stuttgarter Fotografen Max Bauer, ca. 1915, davor vermutlich Mitglieder der Familie Reiner.
3 Die „Linde“ in den 1980er Jahren, damals unter dem Namen „Gaststätte Reiner“.
4 Die ehemalige Zieglerwerkstatt, Löchgauer Str.3, in den 1980er Jahren.
5 Nach der Sanierung, fotografiert im August 1989 von Grete Bielfeldt.




