In der damaligen Bissinger Straße 8 befand sich die Spedition Wilhelm Karr. Willhelm Karr, genannt Willy, hatte die Spedition von seinem Vater, Hotelier zur Krone-Post (Eröffnung 1917), übernommen. 1931 heiratete er die Schweizerin Friedy Hänni. Friedy war 1928 zu Ihrer Verwandtschaft Familie Lenz-Opper gezogen, die die Gaststätte im alten Bahnhofsgebäude führte. Gemeinsam hatten sie eine Tochter und zwei Söhne. Als Willy dann in den Zweiten Weltkrieg eingezogen wurde, übernahm Friedy bis zu seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1949 die Geschäfte. Laut einem Nachruf in der Bietigheimer Zeitung am 21. Januar 1982 führte sie das Unternehmen mit Umsicht und Tatkraft und überzeugte mit ihrer energischen und unkonventionellen herzlichen Art. Friedy scheute sich nicht selbst am Lenkrad der Lastwagen zu sitzen und steuerte die Lastwagen und das Unternehmen durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre. Unvergessen bliebe auch die Hilfeleistung von Frau Karr, die in den Nachkriegstagen Lebensmittel für die Anwohner beschaffte und sogar während Fliegeralarm den Luftschutzbunker im Aurain mit Lebensmitteln belieferte, damit die Schutzsuchenden keinen Hunger leiden mussten. Mit dem Neubau des Bahnhofsgebäudes 1958 widmete sie sich dem Gaststättengewerbe, als sie die Kantine der Bauarbeiter übernahm. Das „Birkenstüble“ stand direkt neben dem Karrschen Anwesen und erfreute bald auch andere Gäste. Am 19. Januar 1982 verstarb Friedy Karr im Alter von 73 Jahren im städtischen Krankenhaus.
1 u. 2: Das Karrsche Anwesen, laut Beschriftung wurde das Foto 1987 aufgenommen.

