Der bissinger Kindergarten Kelterstraße

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1904 wurde der Kindergarten Kelterstraße in Bissingen gebaut. Doch eigentlich ist die Kleinkinderbetreuung in Bissingen, wie auch in vielen Nachbarorten, sehr viel älter. Mit der Industrialisierung begann die fortschreitende Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz und die Entstehung von (außerhäuslicher) Erwerbstätigkeit von Frauen. Damit entstand die Notwendigkeit von Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder, um den aufkommenden sozialen Problemen zu begegnen. Öffentliche Kleinkindererziehung gab es im 19. Jahrhundert in verschiedenen Ausprägungen und mit zahlreichen regionalspezifischen Bezeichnungen. Die erste Bissinger Kleinkinderschule, eigentlich „Kleinkinderbewahranstalt“, bestand nur über die Zeit der intensivsten Feldarbeit von Mai bis Oktober und stand allen Bissinger Kindern von Montag bis Samstag offen. Die Kinder wurden von einer Bissingerin betreut.  Schon 1858 kam aus Geldmangel das Ende der Kleinkinderschule. In den folgenden Jahrzehnten lehnte der Gemeinderat wiederholt den Wunsch nach Einrichtung einer Kleinkinderschule ab. Erst 1890 gelang es Pfarrer Epple, den Gemeinderat von der Notwendigkeit einer Kleinkinderschule zu überzeugen. Inzwischen war Bissingen schon fast eine Industriegemeinde, etwa die Hälfte der 1612 Einwohner lebten von der Arbeit in den Fabriken und am Bahnhof. Die Gemeinde stellte einen Raum im Erdgeschoss des 1877 eingeweihten „Neuen Schulhauses“ (heutige Ludwig-Heyd-Schule) zur Verfügung. Durch das Anwachsen der Schülerzahl wurde der Raum der Kleinkinderschule für schulische Zwecke benötigt, der Bau eines eigenen Gebäudes damit notwendig. 1904, im gleichen Jahr in dem auch in Bietigheim das erste Kindergartengebäude in der Lugstraße fertiggestellt war, konnte die Kleinkinderschule endlich in der Kelterstraße in einen eigenen Neubau einziehen. Die Fotos zeigen das Gebäude im Jahr 1904, 1976 und 2004.