Mit der Erhebung Bietigheims zur Amtsstadt im Jahr 1506 legte Herzog Ulrich (1504 – 1550) von Württemberg den Grundstein für den größten Gebäudekomplex in der Altstadt – das Bietigheimer Schloss. Hier saß man zu Gericht, hier hatte der Vertreter des Herzogs, der Vogt, seinen Sitz und hierhin hatten die Amtsangehörigen ihre Steuern und Abgaben zu entrichten. Das alte Wohn- und Amtshaus des Vogtes stand ganz in der Südwestecke der Stadt und des späteren Schlosses. Der Bau des Schlosses wurde nach dem Turmunglück 1542 initiiert. Bei diesem Unglück stürzte der Glockenturm (der Turm ist auf dem Bietigheimer Wappen abgebildet) auf dem Areal der heutigen Kelter ein und zerstörte dabei einige Wirtschaftsgebäude, die zur Vogtei gehörten. Wirtschaftsgebäude waren zum Beispiel Waren- und Lagerhäuser. Das vom Unglück zerstörte Gebiet wurde abgetragen und planiert und der Herzog beschloss Am Oberen Tor sein Amtsschloss zu erbauen, bestehend zunächst aus einer sich parallel zur Oberen Hauptstraße streckenden neuen Vogtei (1546/47), dreistöckig und in zeitgemäßem Fachwerkgewand mit repräsentativem Erker. Im Hof dahinter versteckten sich die neuen Wirtschaftsgebäude, die bis dahin zerstreuter angesiedelt waren. Über die Jahrhunderte erlebte das Schloss einige bauliche Veränderungen und 1707 sogar ein Feuer. Das heutige Foto wurde in den 1980er Jahren geschossen und zeigt die Hauptstraße mit Schloss im Winter.
