Großbrand in der Kammgarnspinnerei

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Im August 1911 ereignete sich in der Bietigheimer Kammgarnspinnerei ein verheerender Brand, ausgelöst vermutlich durch Selbstentzündung. Das 2stöckige, 75 Meter lange „Kämmereigebäude“ brannte vollständig ab.

Knapp ein Jahr später brach am 25. Juni wieder ein Brand aus, direkt neben dem fast fertiggestellten Neubau auf dem Brandplatz von 1911. Den herbei geeilten Feuerwehren aus Bietigheim, Besigheim, Metterzimmern und der Werksfeuerwehr der Germania-Linoleumwerke gelang es, den Neubau zu retten. Das 80 Meter  lange, 4stöckige Gebäude, in dem der Brand ausgebrochen war, brannte vollständig nieder. Darin waren die sogenannten Vorbereitungs- und Zwirnräume mit vielen Maschinen, Materialvorräten und fertigen Waren. Auch einige angrenzende Gebäude und das Turbinenhaus fielen dem Feuer zum Opfer. Der Schaden wurde auf die für damalige Verhältnisse riesige Summe von 1 Million Mark geschätzt. Zahlreiche Schaulustige umlagerten den Brandplatz oder verfolgten das Geschehen von den umliegenden Weinbergen und vom Forst aus.

Unsere beiden Fotopostkarten zeigen den Brandplatz einmal in südlicher und einmal in nördlicher Blickrichtung. Sie wurden beide am 9. Juli 1912 von einem jungen Mann, der in der Kammgarnspinnerei arbeitete, an seine Eltern in Erstein im Elsass verschickt. In Erstein gab es damals ebenfalls eine Kammgarnspinnerei und immer wieder kamen Facharbeiter von dort zum Arbeiten in die Bietigheimer Kammgarn-Spinnerei.  

Wer mehr über Brände im Stadtgebiet und die Arbeit der Feuerwehr wissen will, sollte die aktuelle Sonderausstellung im Stadtmuseum Hornmoldhaus besuchen: Feuer. Segen und Fluch. Stadtbrände in Bietigheim.